Donnerstag, 3. April 2014

Anfänge in der Naturfotografie


Häufiger werde ich in der letzten Zeit gefragt, was man in der Naturfotografie beachten muss und wie man am besten zu schönen Ergebnissen kommt. In diesem Beitrag möchte ich etwas ausführlicher Bezug darauf nehmen und meine Erfahrungen mit euch teilen.



Grundwissen der digitalen Fotografie:
In der Naturfotografie sollte man wie in vielen anderen Bereichen der Fotografie seine Kamera praktisch „blind“ bedienen können. Begriffe wie Verschlusszeit, Blende, Iso und Belichtungskorrektur sollten keine „böhmischen Dörfer“ für den Fotografen sein. In der Natur können sich die Lichtverhältnisse und Kontraste schlagartig von jetzt auf gleich ändern. Wenn man dann gerade vor einem Flussregenpfeifer in Balzhaltung liegt und das perfekte Foto sieht, sollte man direkt abdrücken können und blind die richtigen Einstellungen bei dem Blick durch den Sucher wählen können. Denn wenn man erst aufschaut und an den Knöpfen und Rädern der Kamera einstellen muss, kann es a) sein, dass man das wilde und scheue Tier verschreckt oder b) die perfekte Situation verpasst, da man die Einstellungen nicht schnell genug vornehmen konnte. Dann ärgert man sich enorm. Also immer erst ein Testfoto an der Location machen, die Kamera grob einstellen und dann blind beim Blick durch den Sucher nachjustieren und ggf. wenn es die Situation zulässt mal einen prüfenden Blick auf den Display werfen um die Belichtung etc. zu kontrollieren! Hierzu kann ich nur sagen: Üben, üben und nochmals üben!

Wie kann ich denn am besten üben?
Es gibt in unserem digitalen Zeitalter enorm viele Möglichkeiten zu üben und zu lernen. Hierzu eignen sich unter anderem Videos auf Youtube, um Grundlagen der Fotografie zu erlenen. Schaut euch dazu einmal den Kanal von Benjamin Jawoskyj an: https://www.youtube.com/user/jaworskyjpictures
Zum anderen findet man dort aber auch Videos zu Herangehensweisen bei der Fotografie von bestimmten Tierarten. Zum Beispiel hier zum Thema Wildfotografie: https://www.youtube.com/watch?v=l6xEd0Kg1sE
Der direkte Austausch mit Fotografen war und ist für mich immer die schönste Form des Lernens. Wir tauschen Erfahrungen aus und berichten uns von Plänen, die man dann auch gerne einmal zusammen ausarbeitet und umsetzt. Sucht euch also Gleichgesinnte Fotografen in eurer Heimat und näheren Umgebung, um voneinander zu profitieren!
Inspiration in Bild und Text findet man aber auch in Form von Büchern. Hierzu stellte ich bereits vor einiger Zeit folgendes Buch vor, dass ich als überaus gelungen ansehe und welches ein enormes Potential der Inspiration birgt: http://moritz-kaufmann-fotografie.blogspot.de/2013/11/die-fotoschule-in-bildern.html

Wo finde ich was?
Motive in der Natur findet man an jeder Ecke und auch direkt vor der eigenen Haustür. Jede Jahreszeit birgt seine ganz eigene Schönheit. Ob es im Frühling die Frühblüher und Blüten sind, im Sommer die Jungtiere in Vogelnestern oder im Dickicht der Wiesen und des Waldes, im Herbst die schön gefärbten Wälder und Zugvögel oder aber im Winter die schneebedeckten Landschaften und Eisblumen. Am wichtigsten ist es hierzu sich aufmerksam durch seine Umgebung zu bewegen. Mit offenen Ohren und Augen einen Spaziergang zu machen, um Vogelstimmen zu identifizieren oder Rufe zu erkennen. Möglicherweise auch Bauten oder Höhlen zu entdecken und die Bewohner über längere Zeit zu beobachten und somit bessere Fotomöglichkeiten auszuloten. Man kann aber auch ortsansässigen Naturschutzvereinen mithelfen, Flächen zu pflegen oder bestimmte Arten zu kartieren und somit neue Fotomöglichkeiten in seiner Heimat kennen zu lernen.

Der Schutz der Natur:
Ein Aspekt auf den ich hier einmal sehr dringlich hinweisen möchte. Wenn man Blümchen fotografiert oder auch Tiere an Nest und Bau beobachtet, gilt immer: Das Wohl des Tieres/der Pflanze geht vor und hat höchste Priorität. Wenn man eine Blume nicht im richtigen Winkel fotografieren kann, da eine andere Blume im Weg steht, verzichtet man lieber auf das eine Foto und knickt die andere Blume dafür nicht um. Denn wenn wir auch in Zukunft die Motive der Natur nutzen möchten, sollten wir diese erhalten und schützen. Auch bei Tieren gilt vergleichbares. Wenn man merkt, dass die Tiere sich ängstlich oder unruhig zeigen, dann hält man erst einmal Abstand und verlässt gegebenenfalls die Location um die Tiere nicht zu stören. Denn es könnte besonders in den Paarungszeiten schwerwiegende Folgen haben. Zum Beispiel, dass Vögel ihre Eier nicht weiter bebrüten und die Jungtiere sterben oder aber Säugetiere ihre Aufzucht zurücklassen, da sie ihr eigenes Leben fürchten und die Tiere am Hungertod sterben, sofern sie noch nicht alt genug zur Nahrungssuche sind.

Ausrüstung vs. Glück:
Häufiger bekomme ich Nachrichten, in denen man mir schreibt, dass ich so schöne Naturfotos machen würde aber mit einem 500er von Canon wäre das alles ja auch viel einfacher. Sicher ist eine Ausrüstung ein nicht zu vernachlässigender Gegenstand eines Fotos aber dennoch bin ich der Meinung, dass dieser zweitrangig ist. Anfangs war ich auch mit einer Canon 1000d und einem Canon 55-200mm unterwegs! Und in dieser Zeit sind einige Fotos entstanden, die bis heute zu meinen Lieblingsfotos zählen. Und warum? Weil die Lichtsituation einfach etwas ganz besonderes war oder der Zufall viele Komponenten optimal zusammengebracht hat, sodass mein Foto etwas ganz einmaliges wurde. Wie beispielsweise später mit meiner Canon Eos 40d, meiner erst zweiten Kamera und dem Canon 10-22mm, dass ich bereits an der 1000d nutzte. http://500px.com/photo/57095530 Der Nebel zauberte eine ganz fantastische Stimmung, die ich nur erleben durfte, da ich durch Zufall um 2 Uhr in der Nacht wach wurde und nicht mehr schlafen konnte. Bei dem Blick aus dem Fenster bemerkte ich erst diese geniale Stimmung! Der Zufall spielt also eine große Rolle in der Fotografie.

Welche Ausrüstung wäre denn sinnvoll?
Die Naturfotografie fächert sich in viele Aufnahmebereiche und ist breit aufgestellt. Von der Landschafts- über die Macro-, Unterwasser- bis hin zur Tierfotografie uvm. ist alles dabei. Jeder dieser Bereiche erfordert andere technische Komponenten. Die Kamera ist in jedem Fall der Grundbaustein, der dann mit einem Objektiv adaptiert werden muss. Für Landschaften und Unterwasserfotos wird man ein Weitwinkel wie zum Beispiel ein 17-40mm benötigen. Für Macrofotos ist ein spezielles Macroobjektiv erforderlich, da es eine sehr geringe Naheinstellgrenze besitzt und man somit sehr nah an das Objekt heran gehen kann, um beispielsweise Details zu fotografieren. Bei der Tierfotografie sind Teleobjektive wichtig. Diese können von 200-800mm gehen. Es gibt hierfür gute Zoomobjektive, wie das Tamron 150-600mm f5-6,3 oder das Canon 100-400mm f4,5 5,6. Festbrennweite haben eine bessere Offenblende, wie beispielsweise das Canon 400mm f2.8 IS oder das Canon 500mm f4. Für alle Canon Objektive findet man aber auch ein passendes Pendant aus dem Hause Nikon.

Danksagung:
An dieser Stelle möchte ich auch Hermann, Rado und Kevin meinen Dank aussprechen.
Bei Fragen habt ihr mir immer Rede und Antwort gestanden und gemeinsam haben wir viele schöne Trips unternommen!  J


Dieser Text beinhaltet meine ganz persönlichen Erfahrungen und meine subjektive Meinung. Meine Worte sind sicherlich keine Wundermittel aber ich hoffe euch damit einige interessante Information vermittelt zu haben. Es soll eben kein Rezept sein, dass man einfach nachmachen kann, sondern ein Denkanstoß, damit sich jeder ganz individuell in seine eigene Richtung entwickelt :) 

Grüße an euch,
Moritz 

Kommentare:

  1. Du hättes auch noch erwähnen können das man nicht abseits der Wege in die Naturschutzgebiete läuft. Nicht wahr 😉

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  2. Du hättes auch noch erwähnen können das man nicht abseits der Wege in die Naturschutzgebiete läuft. Nicht wahr 😉

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